Bin ich (noch immer) introvertiert?
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Introvertierte Stärken
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meetings für introvertierte

MEETINGS FÜR INTROVERTIERTE

6 Tipps, die Dich im Business weiter bringen

Während Extrovertierte in großen Besprechungsrunden ganz in ihrem Element sind, sind Meetings für Introvertierte vor allem eins: anstrengend. Sie gehören jedoch zum Arbeitsalltag dazu und - ja - etwas beneiden wir Extrovertierte schon dafür, wie sie diese Bühne gekonnt für sich nutzen. Mit ihrem Enthusiasmus begeistern sie nicht nur die anderen Teilnehmer für ihre Ideen. Sie empfehlen sich mit ihrer initiativen Art auch für bevorstehende Personalentscheidungen. Das wirkt - gerade bei extrovertierten Vorgesetzten.

Introvertierte haben es ungleich schwerer, sich und ihre Ideen in Meetings sichtbar zu machen. Ihre Präferenz liegt eher darin, aufmerksam zu zuhören und sich (nur) dann zu beteiligen, wenn sie etwas Substanzielles beitragen können. Das lässt sie passiv oder sogar desinteressiert wirken. Zu unrecht!
Mit diesen Tipps sorgst Du dafür, dass Du in wichtigen Meetings nicht (mehr) übersehen wirst.

1 - Mache Deine Hausaufgaben

Gerade, weil Extrovertierte mit ihrem Verhalten häufig erfolgreich sind, orientieren sich viele Introvertierte an ihrem Vorbild. Auch wenn es verlockend erscheint... verabschiede Dich von diesem Gedanken. Du bringst Dich sonst selbst um Deinen größten Trumpf: Die Vorbereitung. Es macht Dir zwar nicht zwangsläufig Spaß, Dich auf wichtige Meetings vorzubereiten, aber es fällt Dir viel, viel leichter als Deinen extrovertierten Kollegen. Ehrlich!

Extrovertierte kürzen bei der Vorbereitung gerne ab, weil sie sich blind auf ihre Spontanität und Flexibilität in der Situation verlassen. Treffen sie auf unvorbereitete Introvertierte, geht diese Improvisations- und Überrumpelungstaktik auf. Bist Du aber gut vorbereitet, verliert ihr Improvisationstalent an Durchschlagskraft und Du kannst in kritischen Fragen mit Deinem (Vor)Wissen punkten.

Mache also Deine Hausaufgaben und bereite Dich auf wichtige Tagesordnungspunkte gezielt vor. Sammle Informationen. Lege Dir Deine Argumente zurecht. Sprich im Vorfeld persönlich mit Kollegen und Vorgesetzten, um sie für Deine Idee zu gewinnen. Dann kannst Du gestärkt und selbstbewusst ins Meeting starten.

2 - Setze Deine Punkte auf die Agenda

Kennst Du das? Du hast eine tolle Idee und findest keine Möglichkeit diese in das Meeting einfließen zu lassen. Vielleicht entwickelt sich das Meeting in eine andere Richtung als erwartet? Oder die Gruppe hat das Thema einfach übersprungen? Oder Du hast im letzten Moment selbst an der Bedeutung Deiner Idee gezweifelt? Oder Du wurdest schlicht nicht gefragt? Während Extrovertierte in solchen Fällen selbstbewusst intervenieren, sind Introvertierte häufig zu zurückhaltend, um zu unterbrechen. Im schlimmsten Fall bleiben Deine Ideen unausgesprochen und Du verschwindest in der Unsichtbarkeit.

Eine gute Möglichkeit, um solche Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen ist es, Deine Punkte im Vorfeld auf die Agenda zu setzen. So erhältst Du nicht nur automatisch Zeit, um diese Punkte vorzustellen, sondern kannst Dir Deine Beiträge auch zuvor in Ruhe zurecht legen. Außerdem machst Du Deine Idee gegenüber den anderen Teilnehmern verbindlich und beugst Last-Minute-Rückziehern gekonnt vor.

Ein weiteres Plus: Der ganze Verteiler, nicht nur der tatsächliche Teilnehmerkreis, wird auf Dich und Dein Thema aufmerksam. Also: Sorge dafür, dass die Ideen und Punkte, die Dir wichtig sind, auf der Agenda erscheinen.

3 - Sei bereits ohne Worte präsent

Es ist erstaunlich, wie viel wir über unsere Körpersprache kommunizieren. Als guter Beobachter ist Dir das bestimmt bewusst. Das heißt jedoch nicht, dass Du Deine eigene Körpersprache bereits für DICH nutzt. Dabei ist für viele Introvertierte einfacher, nonverbal Präsenz zu zeigen, als verbal auftrumpfen zu müssen. Auf diese drei Tipps bin ich in den letzten Jahren immer wieder gestoßen. Prüfe selbst, ob Du sie bereits einsetzt:

  1. Raum einnehmen
    Raum = Status. Mach Dich am Meetingtisch nicht klein, sonst verschwindest Du aus der Wahrnehmung. Breite stattdessen all Deine Unterlagen auf den Tisch vor Dir aus und zeige wortlos Präsenz.
  2. Offene Haltung
    Tendierst Du dazu, mit überschlagenen Beinen und verschränkten Armen am Besprechungstisch zu sitzen? Dann signalisiert Du damit eher Passivität und Ablehnung statt Tatendrang und Engagement. Souveräner und offener wirkt es in der Regel, wenn Du Deine Hände auf den Tisch legst und mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehst.
  3. Kleidung und Farben
    Extrovertierte Menschen kleiden sich eher laut, introvertierte Menschen hingegen leise. Ist Dein Stil jedoch zu leise und unauffällig, drohst Du auch optisch übersehen zu werden. Trau Dich, einen Stil zu finden, der Deine Persönlichkeit sichtbar unterstreicht.

4 - Übernimm die Moderation

Ich weiß, es ist nicht immer möglich... ABER: Wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, übernimm die Moderation. Das ist der einfachste Weg, um in Meetings Präsenz und Kompetenz auszustrahlen, ohne selbst viel reden zu müssen.

Als Moderator sorgst Du für die Struktur, die Einhaltung der Agenda (inkl. des Zeitrahmens!) und die Fixierung der Ergebnisse. Auch hier sind Extrovertierte, die sich selbst gerne reden hören, nicht unbedingt die besten Vorbilder. Trau Dich ruhig, es anders zu machen. Moderiere beispielsweise mit Fragen, um Deine Stärke als guter Zuhörer zu nutzen. Moderierst Du am Flipchart, hast Du weitere Gestaltungsmöglichkeiten. Durch eine strukturierte visuelle Darstellung, filterst Du die wesentlichen Inhalte aus den Gesprächsbeiträgen und unterstützt die Teilnehmer beim Entscheidungsprozess. Du übernimmst Verantwortung und das wird gesehen. Du wirst überrascht sein, von der positiven Wirkung, die Du in dieser Rolle auf die Teilnehmer ausübst. Ich persönlich schätze introvertierte Moderatoren sehr, weil sie für ein hohes Maß an Struktur & Richtung sorgen können, ohne dabei forsch und dominant zu sein.

Die Gelegenheit zu moderieren bietet sich übrigens häufiger als gedacht... Zum Beispiel, wenn in einer Gruppenarbeit oder Teamarbeit die Frage danach aufkommt, wer schreibt (bzw. die Ergebnisse am Flipchart festhält). Normalerweise ist das Team in solchen Situationen für Wortmeldungen dankbar. Du musst Dich also einfach anbieten und - zack - moderierst Du schon :-)

5 - Schreibe und bleibe

Es ist vielleicht nicht die beliebteste Rolle in einem Meeting,... ABER wer schreibt, der bleibt. In Meetings ist das die Person, die das Protokoll übernimmt. In dieser Rolle hast Du mehrere Vorteile:

  • Zusätzliche Wortbeiträge
    Sobald ein Agenda-Punkt abgearbeitet ist, hast Du die Möglichkeit eine intelligente zusammenfassende Frage zu stellen. "Für das Protokoll: Habe ich es richtig verstanden, dass..." So kommst Du zu zusätzlichen Wortbeiträgen und rückst dadurch stärker in die kollektive Wahrnehmung. Außerdem sehen alle, dass Du gedanklich voll dabei bist.
  • Macht über die Ergebnisse
    DU fixierst die TO-DOs und machst sie für Dein Team verbindlich. Klar kannst Du nicht einfach irgendetwas erfinden, aber die Teilnehmer werden an Deinem Protokoll gemessen. Je detaillierter Du die Ergebnisse festhältst, umso deutlicher werden Nicht-Leistungen und Leistungen der Teilnehmer beim nächsten Meeting sichtbar.
  • Follow Up Kontakt
    Du übernimmst die Nachbereitungs-E-Mail und verteilst das Protokoll an alle Teilnehmer. Dadurch hast Du einen weiteren Kontaktpunkt, den andere Teilnehmer nicht haben und bist auch über das Meeting hinaus die zentrale Anlaufstelle für Änderungen, Ergänzungen und Fragen.

6 - Mache Deinen Beitrag sichtbar

Klar, das Meeting ist eine fantastische Bühne. Jedoch folgt auf jede spektakuläre Meeting-Show auch die Umsetzung der besprochenen Punkte im Business-Alltag. Darin sind Introvertierte besonders gut. Während Extrovertierte (Vorsicht: überspitzt!) die Arbeit danach gerne übersehen, freuen sich Introvertierte eher auf die Zeit, in der sie ihre Arbeitspakete in Ruhe abarbeiten können. Mache Deine erledigten TO-DOs sichtbar. Schreibe zum Beispiel einen Zwischenstand per E-Mail. So sehen die anderen - auch außerhalb des Meetings - dass Du engagiert am Ball bleibst und Dich für das Team einsetzt.

Vielleicht gehörst Du auch zu den Introvertierten, die im Anschluss an Meetings die besten Ideen haben? Ich kann das gut nachvollziehen. Nur doof, dass die Plattform dann fehlt, um diese Ideen zu äußern... - Schaffe diese Plattform! Suche im Anschluss das persönliche Gespräch mit dem Meetingleiter und bring Deine Idee ein. Direkt zum Meetingleiter? Ja! Hier ist Kommunikation wichtig. Extrovertierte können es völlig missverstehen, wenn Ideen erst nach dem Meeting geäußert werden. Zum Beispiel kann der Eindruck entstehen, dass Du die Idee bewusst zurückgehalten hast. Sprich also direkt mit dem Besprechungsleiter, um Missverständnissen vorzubeugen und Deine Ideen sichtbar zu machen. Im 1:1-Gespräch fällt Dir das vielleicht auch leichter als in der großen Runde.
Wie Du siehst haben Introvertierte viele Möglichkeiten, um in Meetings authentisch zu überzeugen. Nutze einfach Deine introvertierten Stärken, denn mit ihnen machst Du in einer extrovertierten Welt den Unterschied.

Wie geht es Dir in Meetings? Was sind Deine Hürden und Erfahrungen? Hinterlasse gerne einen Kommentar und wir reden rüber.

Liebe Grüße und bis bald,

Simone


Angebote für Introvertierte
Simone
Simone
Simone Rechel - Coach und Trainerin für Introversion und Persönlichkeits-Diversity im Business

2 Kommentare

  1. Jörg Lenau sagt:

    Klare Pluspunkte, die es zu erachten gibt. Einen hatte ich dabei nicht im Blick: den Protokolisten. Den hatte bei mir der Gruppenleiter in der Hand und ist wohl auch mehrheitlich die Regel, daß dies jemand ist, mit ‚Position‘. Überhaupt flog ich irgendwann ‚raus und durfte nicht mehr Teilnehmen an den Meetings, weil ich die ‚Hackordnung‘ nicht berücksichtigte. In ’solchen‘ Reglements sollte man sich aber auch grundsätzlich nicht aufhalten 😉

    • Simone sagt:

      Vielen Dank für Deinen Kommentar lieber Jörg. Die internen Spielregeln können von Unternehmen zu Unternehmen tatsächlich sehr unterschiedlich sein. Wichtig ist, dass man sich der eigenen Wahl immer bewusst bleibt. Frei nach dem Motto: „Love it, change it or leave it“. Da bin ich völlig bei Dir.

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