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THE CEO GENOME
13. Januar 2018
meetings für introvertierte
Meetings für Introvertierte
4. April 2018

KURZ-TEST

Bin ich (noch immer) introvertiert?

Die meiste Zeit meines Lebens war ich davon überzeugt, dass es ein Makel sei, introvertiert zu sein. Die Perfektionistin in mir wollte mir diesen Makel nicht durchgehen lassen und hat vieles versucht, um mich extrovertierter zu machen. Als mich irgendwann niemand mehr für introvertiert hielt, hatte ich endlich das Gefühl, diese lästige Eigenschaft hinter mir gelassen zu haben. - End of Story?

Natürlich nicht! Ich war jedoch selbst überrascht, als ich vor einigen Jahren einen seltsam erlösenden AHA-Moment hatte. Eher zufällig hatte ich dieses Buch über leise Menschen (und ihre Stärken) gelesen - und mich auf einmal verstanden gefühlt. Ich war noch immer introvertiert! Und nicht nur das: Ich genoss es zunehmend, meine introvertierten Stärken für mich zu entdecken und bewusst zu nutzen.

Wenn Du auch glaubst, nicht mehr introvertiert zu sein, dann ist dieser Beitrag für Dich:

1 - Wann hast Du gemerkt, dass etwas mit Dir nicht zu stimmen scheint?

In einem Interview wurde ich vor kurzem gefragt, wie Introvertierte merken, dass sie "anders" sind. Diese Frage hat mich sehr nachdenklich gemacht. Vor allem, weil ich glaube, dass Introvertierte das tatsächlich bereits im Kindesalter zu spüren bekommen. Sie merken es, sobald ihre ruhige Art in ihrem sozialen Umfeld kritisch gesehen wird oder – schlimmer – sobald sich Eltern, Erzieher und/oder Lehrer ernsthaft Sorgen machen:

• Ein Kind spielt zu viel alleine oder nur mit der besten Freundin
- Sorge: Das Kind könnte sozial inkompatibel sein

• Ein Kind/Schüler ist zu leise und passiv
- Sorge: Das Kind/der Schüler wird sich nicht durchzusetzen können.

• Ein Schüler beteiligt sich zu wenig mündlich am Unterricht
- Sorge: Der Schüler, ein Schüler "kommt nicht mit"

Diese Stereotype werden den Menschen dahinter nicht gerecht. Dennoch verfehlt diese Kritik bei – ohnehin eher selbst-kritischen – Introvertierten nicht ihre Wirkung. Sie spüren ganz genau, dass mit ihnen etwas nicht zu stimmen scheint und beginnen damit, ihre introvertierte Art in Frage zu stellen.

2 - In welchen Situationen fällt es Dir selbst auf, dass Du "anders" bist?

Vergleichen sich Introvertierte mit Extrovertierten, kann das Urteil sehr unterschiedlich ausfallen. Häufig fühlen sich Introvertierte im Nachteil, seltener weit überlegen und manchmal überwiegt die bloße Verwunderung. - Immer jedoch fällt introvertierten auf, dass sie sich deutlich von den Extrovertierten in ihrem Umfeld unterscheiden.

Folgende Situationen, die mir von anderen Introvertierten geschildert wurden, zeigen die empfundenen Unterschiede sehr gut. Erkennst Du Dich in einer dieser "typisich introvertierten" Statements wieder?
  • Spontan einspringen
    Neulich hatte ich gemeinsam mit einem Kollegen einen Termin mit einem Neukunden. Mein Kollege hat den Kontakt hergestellt und den Termin vorbereitet. Zu mir meinte er nur, es wäre gut, wenn ich auch dazukomme. Als unsere Gesprächspartner schon im Besprechungszimmer auf uns warteten, rief mein Kollege an und erklärte, dass er sich wohl um 30 Minuten verspäten würde und ich den Termin schon einmal alleine beginnen sollte. Für mich war es ein Graus, spontan einzuspringen. Es erschien mir einfach unprofessionell, so unvorbereitet in den Termin gehen zu müssen. Gerade, weil ich überhaupt nichts über den Neukunden wusste.
    Spontan einspringen
  • Die Meeting-Frage
    Manchmal frage ich mich wirklich, ob sich außer mir überhaupt noch jemand vorbereitet. Einige meiner Kollegen bereiten sich null vor und reden trotzdem viel. Sie liefern stümperhafte Beiträge, die sie sich scheinbar spontan zurechtlegen und kommen damit auch noch durch. Ich selbst habe den Anspruch nur zu reden, wenn ich wirklich etwas Substanzielles beitragen kann. Weil für mich Qualität vor Quantität kommt, spreche ich weniger – und finde damit nicht das Gehör, das ich mir wünsche. Irgendwas läuft da schief.
    Die Meeting-Frage
  • Pausen sind zur Erholung da
    Bei meiner Trainerausbildung hatten wir wirklich intensive Tage. Tagsüber wurden wir im Frontalunterricht beschallt, abends mussten wir alles in Gruppen aufbereiten. In den Pausen – der knappen freien Zeit – war ich am liebsten allein in meinem Zimmer. Manchmal war ich sogar so erschöpft, dass ich kurz eingeschlafen bin. Die anderen haben diese Pausenzeiten häufig gemeinsam verbracht. Ich hatte keine Ahnung, wie sie das schaffen. Manchmal hatte ich das Gefühl, dabei sein zu müssen, um nichts zu verpassen. Das war für mich eine richtige Überwindung und sehr anstrengend.
    Pausen sind zur Erholung da
  • Die Menge macht's
    Wenn wir uns mit Freunden treffen, dann am liebsten mit einem – vielleicht auch zwei – anderen Pärchen. Dann macht es mir richtig Spaß interessante Themen zu diskutieren und zu erfahren, was im Leben der anderen gerade Spannendes geschieht. In größeren Runden bin ich dagegen eher passiv und höre hauptsächlich zu statt selbst zu reden. Auf Dauer ist das langweilig und anstrengend. Ich beginne dann meist ein Gespräch mit meinem Tischnachbar, und klinke mich aus dem „Hauptgespräch“ aus. Das funktioniert ganz gut.
    Die Menge macht's
  • Kündigungsgrund Großraumbüro
    Mein letzter Job war für mich der absolute Horror. Die Arbeit hat mir zwar Spaß gemacht, aber im Großraumbüro mit 48 Kollegen war für mich und meine Gedanken einfach nicht genügend Platz. Bei komplexen Aufgaben, konnte ich mich nicht richtig konzentrieren. Die Situation war unbefriedigend und hat mich permanent gestresst. Ich habe versucht Lösungen zu finden, habe Besprechungsräume für mich geblockt oder Köpfhörer getragen. Das waren alles jedoch nur Notlösungen. Langfristig habe ich nach eine andere Stelle gesucht. Jetzt arbeit ich glücklich im Zweierbüro.
    Kündigungsgrund Großraumbüro
  • Ruheoase Homeoffice
    Ich genieße es im Homeoffice zu arbeiten. Kein Telefon, keine Unterbrechung, keine schwierigen Kollegen. Ich kann gedanklich wirklich über Stunden an einer Sache dran bleiben und bekomme viel mehr geschafft als an einem Arbeitstag im Büro. Abends freue ich mich dann richtig auf den Austausch mit meinem Partner und meinen Freunden. So geht es mir nach einem anstrengenden Bürotag eher nicht.
    Ruheoase Homeoffice
  • Mein Feierabend ist heilig
    Nach einem anstrengenden Arbeitstag im Büro, unternehme ich am liebsten nicht mehr viel. Vielleicht gehe ich noch eine Runde joggen, um runter zu fahren. Anschließend mache ich es mir mit meiner Partnerin bzw. meinem Partner auf dem Sofa gemütlich. Wir trinken gemeinsam ein Glas Wein und erzählen uns von unserem Tag. Mit Stammtisch-Treffen oder sozialen Pflichtterminen kann man mich jagen. Mein Tag ist schon stressig genug, da will ich zumindest abends meine Ruhe.
    Mein Feierabend ist heilig
  • Der Reiz der Tiefe
    In einer großen Runde – z.B. an einem Abend im Verein, oder bei einer Party – bin ich gerne passiv und lasse die Geschichten und Eindrücke der anderen auf mich wirken. Manchmal ergeben sich dabei aber auch interessante Einzelgespräche, die wirklich in die Tiefe gehen. Das sind für mich magische Momente. Ich werde aktiv und konzentriere mich voll und ganz auf meinen Gesprächspartner. Dann bin ich in meinem Element. Alles andere blende ich komplett aus.
    Der Reiz der Tiefe
  • Networking unter Fremden
    Zu Networking-Veranstaltungen, an denen ich kaum jemanden kenne, gehe ich eher ungern. Ich fühle mich wohler, wenn ich auf bekannte Gesichter treffe, mit denen ich die Veranstaltung verbringen kann. Leider hindert mich das daran neue Kontakte zu knüpfen. Darüber bin ich manchmal enttäuscht. Aber ich weiß nicht so recht, wie ich aus diesem Muster herauskomme.
    Networking unter Fremden
  • Es ist ein People‘s Business
    An einem meiner ersten Arbeitstage hat mich mein Chef mit zu einem After-Work-Event genommen. Mit den Worten „Das ist ein People‘s Business“ hat er mir nahegelegt möglichst schnell mit möglichst vielen der Teilnehmer in Kontakt zu kommen. Er meinte, dass ich dann immer weiß, wen ich anrufen kann, wenn ich nicht weiter komme. Ich wusste gleich: das bin nicht ich. Meine Arbeit erledige ich jetzt seit vielen Jahren erfolgreich – und dazu musste ich wenig telefonieren.
    Es ist ein People‘s Business
  • Denken bevor man spricht
    Ein Klassiker für mich ist die fast schon obligatorische Frage in Telefongesprächen: „Hallo? – Sind Sie noch dran?“ – Ich denke mir dann nur: „Klar bin ich noch dran! Ich denke nur bevor ich antworte. Das ist doch logisch, oder?“. Gerade neulich wollte ich einen Tisch reservieren und das Restaurant war bereits ausgebucht. Der Kellner bot jedoch entgegenkommend an, dass wir dennoch vorbeikommen und auf gut Glück vielleicht doch noch einen Tisch bekommen könnten. Ich musste erst einmal überlegen, ob ich das überhaupt will. Und – da war sie wieder die Frage: „Hallo? Sind Sie noch dran?“
    Denken bevor man spricht
Im Vergleich kann man aus meiner Sicht nur verlieren. Fühlt man sich unterlegen, nagt das am Selbstwert; fühlt man sich überlegen, wird das Miteinander schwierig; und auch Verwunderung ist wenig zielführend. Der bessere Weg ist es, Persönlichkeitsunterschiede zu verstehen und die verschiedenen Stärken (an) zu erkennen. So lassen sich eigene (und gemeinsame) Strategien entwickeln, bei denen Introvertierte (und Extrovertierte) ihre Fähigkeiten optimal einbringen können.

3 - Was es wirklich bedeutet, introvertiert zu sein...

In meinen Workshop frage ich die Teilnehmer gerne danach, welche Eigenschaften für sie typisch introvertiert sind. Die Top 3 Antworten lauten "leise", "schüchtern" und "zurückhaltend". Das sind Begriffe, die nicht unbedingt positiv besetzt sind. Tatsächlich sind 30-50 Prozent aller Menschen eher introvertiert und die meisten von ihnen sind nicht so schüchtern, leise und zurückhaltend wie ihr Klischee.

Viele Introvertierte haben funktionierende Strategien entwickelt, um auf den ersten Blick nicht als solche erkannt zu werden. Sie haben gelernt, wie sie mit Fremden telefonieren, Reden halten und an Networkingveranstaltungen neue Kontakte knüpfen. Dadurch entkommen sie zwar unvorteilhaften Schubladen - werden jedoch nicht zum Extrovertierten.

Auch wenn extrovertierte Verhaltensweisen erlernt und antrainiert werden können, folgt das Gehirn weiterhin introvertierten Mechanismen. So unterscheiden sich Intro- und Extro-Gehirne in der Art, in der sie Reize verarbeiten, regenerieren und Energie verbrauchen. Während Introvertierte ihre Energiereserven in der Zeit mit sich alleine oder mit wenigen Menschen am besten auftanken, regenerieren Extrovertierte vor allem in der Interaktion mit (möglichst vielen) anderen Menschen in einem aktionsreichen Umfeld. In Situationen, in denen Extrovertierte Kraft tanken, bauen Introvertierte zunehmend ab. Das gilt auch umgekehrt: Sind Extrovertierte zu lange in einem ruhigen Umfeld, verlieren Sie Energie.

4 - Bin ich (noch immer) introvertiert? - Der Kurz-Test.

Ich habe für Dich einen Kurz-Test mit den wichtigsten Intro-Extro-Parametern zusammengestellt. Klicke auf "Start the quiz", um loszulegen. Es erscheinen anschließend zehn Fragen mit verschiedenen Antwortoptionen. Wähle jeweils die Antwort aus, die am besten auf Dich zutrifft. Das Ergebnis kannst Du ohne Eingabe weiterer Informationen abrufen.

Finde heraus was Du bist und werde damit erfolgreich:

5 - Wieso ist es gut, bewusst introvertiert zu sein?

Introvertierte unterscheiden sich von Extrovertierten in der Art, in der sie Energie tanken (und verlieren), Reize verarbeiten und sich motivieren. Daraus resultieren verschiedene Verhaltenspräferenzen, die - je nach Umfeld - förderlich oder hinderlich wahrgenommen werden können. Gerade in interaktionsreichen Business-Situationen, in denen es auf Spontanität, Flexibilität und verbale Präsenz ankommt, haben Extrovertierte deutliche Vorteile. Das zeigt sich typischerweise bei Networking-Veranstaltungen, in Meetings oder bei Präsentationen.

Es gibt viele Strategien, mit denen Du (vermeintliche) extrovertierte Vorteile in der Business-Welt ausgleichen kannst. Extrovertierter zu werden, ist die schlechteste davon. Viel erfolgsversprechender ist es, stattdessen Deine introvertierten Stärken und Mechanismen bewusst zu nutzen und einzusetzen. Damit gelingt es Dir auch, Deine Wirkung auf andere positiv zu beeinflussen.

Hast Du Dich wiedererkannt? Schreibe mir gerne einen Kommentar oder auch eine E-Mail. Ich freue mich über Deine Rückmeldung und helfe Dir bei Fragen gerne weiter.

Bis bald,

Simone


Angebote für Introvertierte

Quellen:
Buch "Intros und Extros" von Sylvia Löhken
Quellen zu den neurobiologischen Unterschieden
Simone
Simone
Simone Rechel - Coach und Trainerin für Introversion und Persönlichkeits-Diversity im Business

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