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Führungs-Gen CEO Genome

THE CEO GENOME

Auch Introvertierte verfügen über das Führungs-Gen

Die Studie THE CEO GENOME analysierte die Eigenschaften, Verhaltensweisen, Erfolgsrezepte und Karriereverläufe von 17.000 Führungskräften über einen Zeitraum von 10 Jahren mit dem Ergebnis:
Der typische Geschäftsführer hat nur wenig mit seinem (extrovertierten?) Image gemein.

So ist es der Studie zufolge für den Erfolg einer Führungskraft völlig unerheblich, ob diese introvertiert oder extrovertiert ist. Charismatische Extrovertierte können sich zwar besser verkaufen, in ihrer Führungsrolle haben sie dadurch jedoch keine Vorteile gegenüber ihren introvertierten Pendants. Introvertierte Führungskräfte werden die Erwartungen, die an sie gestellt werden, sogar mit einer etwas höheren Wahrscheinlichkeit übertreffen.

Viel Spaß mit den vier essenziellen Verhaltensweisen erfolgreicher CEOs der Studie – ergänzt um meine Entwicklungstipps speziell für Introvertierte:

1 - Proaktive Anpassungsfähigkeit

Unter proaktiver Anpassungsfähigkeit verstehen die Forscher nicht nur die Fähigkeit sich schnell an ein dynamisches Umfeld anzupassen. Für den Erfolg einer Führungskraft ist es auch entscheidend, ob sie in der Lage ist Probleme zu lösen, für die es (noch) keine Standardlösung gibt. Neben Schnelligkeit und Dynamik ist also auch Kreativität gefragt – und Weitblick. Denn wer langfristig denkt ist nach der Studie besser in der Lage Zeichen des Wandels frühzeitig zu erkennen. Insgesamt erfolgreicher waren die Studienteilnehmer, die Rückschritte nicht als Scheitern sondern als Chance zur persönlichen Entwicklung verstanden.

“It’s dealing with situations that are not in the playbook. As a CEO you are constantly faced with situations where a playbook simply cannot exist. You’d better be ready to adapt.” - Dominic Barton, Managing Partner, McKinsey & Company

INTRO-TIPP

Als ausgeprägte Denker sind Introvertierte prädestiniert dazu, nachhaltig und mit Weitblick zu handeln. Viele Introvertierte sind auch äußerst kreativ, wenn sie ihre Gedanken in Ruhe ordnen können.

Einige Introvertierte tun sich jedoch schwer mit Veränderungen. Sie sehen diese eher kritisch und stellen deren Notwendigkeit in Frage. Diese Grundskepsis ist solange förderlich bis sie in Sturheit übergeht und Veränderung unmöglich werden lässt. Hier hilft es, sich dieses „zu viel“ bewusst zu machen und das kritisch-analytische Denken auf ein gesundes Maß zu reduzieren, um sich nicht als Bedenkenträger zu disqualifizieren.

Auch die Verarbeitung von Rückschritten fällt Introvertierten häufig schwerer als Extrovertierten. Sie neigen dazu, auch nach der Situation noch lange darüber nachzudenken, was sie falsch gemacht haben. Hier hilft es Resilienz zu trainieren, um negative Gedankenschleifen zu durchbrechen.

2 - Entscheidungen treffen

Von allen Geschäftsführern, die aufgrund ihrer Entscheidungsqualitäten gekündigt wurden, wurde nur ein Drittel aufgrund falscher Entscheidungen entlassen. Zwei Drittel verloren ihren Posten, weil sie nicht in der Lage waren, überhaupt Entscheidungen zu treffen.

Sehr erfolgreiche Geschäftsführer stechen dadurch hervor, dass sie sich früher, schneller und mit größerer Überzeugung entscheiden. Gerade Führungskräfte mit hohem IQ, haben eher Schwierigkeiten damit, Entscheidungen zu treffen; obwohl die Qualität ihrer Entscheidungen in der Regel sehr gut ist. Ihr eigener Anspruch, eine perfekte Lösung zu finden, steht ihnen dabei am meisten im Weg. Erfolgreiche Manager akzeptieren, dass es besser ist, falsche Entscheidungen zu treffen, als keine Entscheidung und dass sie diese Entscheidung auf Basis unvollständiger Informationen treffen müssen. Sie haben sich hierzu unterschiedliche Strategien zurecht gelegt; einige von ihnen stimmen wichtige Entscheidungen zum Beispiel mit einem kleinen Kreis ausgewählter Berater ab.

“I ask myself two questions: First, what’s the impact if I get it wrong? And second, how much will it hold other things up if I don’t move on this?” - Jerry Bowe, CEO, VI-Jon

INTRO-TIPP

Introvertierte tendieren zwar zu einer hohen Entscheidungsqualität. Unter dem hohen Qualitätsanspruch leidet jedoch nicht selten die Entscheidungsgeschwindigkeit und teilweise auch -freudigkeit. Die Illusion der perfekten Entscheidung ist zu verlockend und es werden zahlreiche Daten, Fakten und Meinungen herangezogen. Das kann bei einer Vielzahl von Entscheidungen sehr ermüdend sein und einzelne Entscheidungen komplett blockieren.

Bei wichtigen Einzelentscheidungen, wie der Wahl zwischen beruflichen Alternativen, kann ein Coaching für mehr Klarheit sorgen. Generell kann es entlasten, vergangene Entscheidungssituationen zu analysieren und darauf aufbauend verbesserte Entscheidungsstrategien für die Zukunft zu entwickeln – alleine oder zusammen mit einem Coach.

3 - Mitarbeiter und Stakeholder einbeziehen

Erfolgreiche Geschäftsführer schaffen es, die Interessen der Mitarbeiter (und der anderen Stakeholder) mit den Unternehmenszielen in Einklang zu bringen. Zunächst ist es wichtig die unterschiedlichen Bedürfnisse und Motivatoren zu verstehen. Auf dieser Basis ist es möglich, wichtige Personen abzuholen und für die Erreichung der Unternehmensziele zu gewinnen.

Bei der Aktivierung der Mitarbeiter und Stakeholder ist es nicht das Ziel, mit allen befreundet zu sein, oder das Team vor schmerzhaften Entscheidungen zu bewahren. Vielmehr geht es darum, Vertrauen in die Führungskraft aufzubauen und Zuversicht dafür zu erzeugen, dass sie das Unternehmen, Projekt oder Team zum Erfolg führt. Auf dieser Basis ist es möglich, erfolgreich mit Konflikten umzugehen und auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Die Studie ermittelte, dass Führungskräfte, die unterschiedliche Meinungen zulassen und konfliktfähig sind, auf der Hierarchieleiter tendenziell schneller aufsteigen.

“With any big decision, I create a stakeholder map of the key people who need to be on board.” -Madeline Bell, CEO, Children’s Hospital of Philadelphia

INTRO-TIPP

Eher beziehungsorientierte Introvertierte können hierbei ihre Stärke Empathie ausspielen, um die Motivationen und Bedürfnisse der Stakeholder zu verstehen. Ist diese Stärke besonders stark ausgeprägt, kann sie jedoch zur Hürde werden, weil Mitleid und Harmoniebedürfnis kritische Entscheidungen blockieren. Sachorientierte Introvertierte hingegen können sich auf ihre Stärke „analytisches Denken“ berufen und Konflikte tendenziell besser aushalten. Wichtig ist hier, der Beziehungsebene dennoch ausreichend Beachtung zu schenken, um Konflikte nicht zu provozieren.

Die Tools und Instrumente des Konfliktmanagements sind für beziehungs- und sachorientierte Introvertierte relevant. Sie helfen dabei, eine eigene Konfliktstrategie zu erarbeiten - entweder mit Fokus auf Konfliktfähigkeit oder dem Fokus auf Konfliktbewusstsein.

4 - Zuverlässig konstant gute Ergebnisse liefern

Diese Fähigkeit ist laut den Initiatoren der Studie die wohl durchschlagendste auf dem Weg in die Führungsverantwortung. So verdoppelt sich die Chance, für eine Führungsposition ausgewählt zu werden, wenn ein Kandidat konstant gute Ergebnisse liefert. Außerdem ist es 15 Mal wahrscheinlicher, dass dieser Kandidat in der Führungsrolle auch Erfolg haben wird.

Gesellschafter und Investoren bevorzugen berechenbare und zuverlässige Führungskräfte. So wird bei der Entscheidung zwischen einem Kandidat, dessen Performance schwankt und einem „sicheren“ Kandidaten, der über mehrere Jahre gute Ergebnisse liefert, der „sichere“ Kandidat eher bevorzugt. Für Mitarbeiter ist es wichtig, dass Vorgesetzte nicht unberechenbar handeln, ihren Verpflichtungen konsequent nachgehen und zu ihren Entscheidungen stehen.

Damit eine (Nachwuchs-)Führungskraft als konstanter Performer eingeschätzt wird, ist es wichtig, von Beginn an realistische Erwartungshaltungen zu generieren. Statt sofort in den Arbeits-/Führungsmodus zu schalten, ist es daher erfolgsversprechender, das neue System zunächst zu verstehen. Dazu ist es nicht nur erforderlich Kennzahlen zu analysieren und Prozesse zu verstehen sondern auch die Erwartung von Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitern und Kunden in Erfahrung zu bringen. Auf dieser Basis können eigene Vorstellungen davon entwickelt werden, was realistisch ist und abweichende Erwartungshaltungen entsprechend korrigiert werden.

INTRO-TIPP

Die Fähigkeit, konstant gute Ergebnisse zu liefern, ist bei Introvertierten tendenziell gut ausgeprägt. Gegenüber ihren extrovertierten Kollegen haben sie jedoch häufig den Nachteil, dass sie eher im Verborgenen wirken und ihre Leistung daher übersehen wird.

Eine weitere Hürde von Introvertierten ist es, dass sie ihre eigene Leistung als zu selbstverständlich wahrnehmen. Selbst ihre Stärken sind für sie so selbstverständlich, dass die Notwendigkeit sie sichtbar zu machen, überhaupt nicht erkannt wird.

Mit meinen Angeboten für Introvertierte im Business unterstütze ich Dich gerne auf Deinem Weg zu mehr Selbstvertrauen und Sichtbarkeit:

Angebote für Introvertierte
Nicht nur Extrovertierte verfügen über das Führungs-Gen. Introvertierte stehen ihren Kollegen in nichts nach. Je nach Persönlichkeitstyp gibt es in den vier Kategorien jedoch unterschiedliche Stellschrauben und Hürden. Ich wünsche allen viel Spaß und Erfolg beim individuellen Feintuning!

Bis bald,

Simone


Quellen:
http://ceogenome.com/
https://hbr.org/2017/05/what-sets-successful-ceos-apart
Simone
Simone
Simone Rechel - Coach und Trainerin für Introversion und Persönlichkeits-Diversity im Business

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