Introvertierte Vorbilder
Introvertierte Vorbilder
27. Februar 2017
Networking für Introvertierte
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NETWORKING FÜR INTROVERTIERTE

6 Tipps, die Dich im Business weiter bringen

"Networking" - das klingt nach Spiel, Spaß und Spannung? Nicht für Introvertierte. Je größer der Rahmen, je weniger bekannte Gesichter, umso eher wird eine solche Veranstaltung zum „Place NOT to be“ und die Ausrede ist schnell zur Hand. Ob Weihnachtsfeier, Branchentreff oder Elternabend – wo Extrovertierte freudig „hier!“ schreien, erschließt sich für Introvertierte nur selten das Wozu (?!).

- Wozu Arbeitskollegen beim After-Work-Event treffen?
- Wozu am Branchentreff präsent sein?
- Wozu bei Team-Events gemeinsam Wollknäule werfen?

Allein um unter Menschen zu kommen und irgendwelche Kontakte zu knüpfen, gehst Du nirgendwo hin.
Du benötigst einen besseren Grund, um Networking-Veranstaltungen zu besuchen.

1 - Finde eine attraktive Antwort auf das "WOZU?"

Sicherlich bist Du Dir der Bedeutung guter privater und geschäftlicher Beziehungen bewusst. Es sind nun einmal Menschen, die mit uns leben und arbeiten, die uns befördern, empfehlen oder die bei uns kaufen. Networking-Veranstaltungen bringen diese Menschen in einem semi-geschäftlichen Rahmen zusammen. Sie bieten Dir die Gelegenheit, neue Kontakte zu wichtigen Menschen aufzubauen und bestehende Beziehungen zu intensivieren.

Identifiziere die Menschen, die Dich dabei unterstützen können, Deine wichtigsten Ziele zu erreichen. Kontakte, für die es sich lohnt, Zeit und Energie zu investieren. Das können ganz konkrete Personen wie Dein Vorgesetzter oder Dein Schlüsselkunde sein - aber auch unbekannte Menschen, die Dich als potenzieller Kunde, Fachexperte oder Multiplikator weiter bringen können. - Und dann nutze Networking-Veranstaltungen, um sie zu gezielt treffen.

2 - Wähle Networking-Termine bewusst

Es ist sehr wichtig, auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Erholung und Aktion, bzw. Zeit alleine und Zeit in Gesellschaft zu achten. Da bin ich absolut bei Dir. Es macht keinen Sinn halbherzig auf allen Hochzeiten zu tanzen. Das ist kräftezehrend auf lange Sicht auslaugend. Dennoch solltest Du Dich auch nicht hinter Deiner Introversion verstecken und – vielleicht aus Trotz – immer fern bleiben. Sei bewusst selektiv: Tanze an den wichtigen Hochzeiten, und dann richtig.

Kannst Du durch den Besuch einer Veranstaltung auf wichtige Menschen treffen, die Dich Deinen beruflichen Zielen näher bringen? Wenn ja, ist die Veranstaltung für Dich relevant. Check! Wenn in Deinem Terminkalender nichts gegen eine Teilnahme spricht, melde Dich am besten gleich an. So verstärkst Du Dein Commitment und erhöhst die Wahrscheinlichkeit tatsächlich teilzunehmen. Hast Du mehrere relevante Veranstaltungen zur Auswahl, so wäge ab, welche Veranstaltung erfolgsversprechender ist bzw. auf welche Veranstaltung Du mehr Lust hast. Solange Dich alle Alternativen weiterbringen, sind beide Auswahlkriterien absolut legitim. Behalte dabei Deine Energie im Blick und gönne Dir nach jeder Veranstaltung genug unverplante Zeit zum Auftanken.

3 - Setze bei Kontakten auf Klasse statt Masse

Orientiere Dich beim Besuch von Networking-Veranstaltungen niemals an Deinen extrovertierten Chefs oder (Vertriebs-)Kollegen. Im Wettbewerb um möglichst viele Kontakte in möglichst kurzer Zeit ziehst Du immer den Kürzeren. Dein Ansatz ist ein anderer: Wo Extrovertierte mit Leichtigkeit möglichst viele Kontakte generieren, setzt Du auf die richtigen Kontakte – und vermeidest Ausschuss. Investiere daher tendenziell mehr Zeit in die Vorbereitung. Identifiziere über die Gästeliste und/oder die Agenda geeignete Gesprächspartner und bereite Dich nach Möglichkeit auf diese vor.

Versuche maximal ein oder zwei neue Kontakte zu generieren. Sind es die richtigen Kontakte, ist das genug. Auch bei der Intensivierung bestehender Kontakte gilt Klasse vor Masse. Das entspricht Deiner introvertierten Natur. Extrovertierte Ziele wie mit fünf, acht oder zehn Visitenkarten nach Hause gehen zu wollen, setzen Dich nicht nur unnötig unter Druck. Du müsstest sehr oberflächlich agieren, könntest Deine introvertierten Stärken nicht ausspielen und würdest Deinen Ansprüchen niemals gerecht werden. Gleichzeitig verlierst Du bei dieser Art der Interaktion zusehends Energie und kannst Deine introvertierten Stärken nicht wirkungsvoll einbringen. Besonders einfach startest Du mit dem nächsten Tipp in Gespräche mit Unbekannten.

4 - Sorge dafür, dass Du angesprochen wirst

Stell Dir vor: Du bist an einer Networking-Veranstaltung, an der Du niemanden kennst. Ist es für Dich angenehmer einen Fremden anzusprechen oder selbst angesprochen zu werden? Die Antwort ist für die meisten Introvertierten eindeutig. Wie aber gelingt es Dir, angesprochen zu werden? Die Antwort klingt banal: Mache Dich zu einem attraktiven Gesprächspartner.

Das gelingt in der Praxis einfacher als gedacht und Du hast mehrere Möglichkeiten dazu. Hebe Dich von den anderen Gästen ab, z. B. durch einen originellen Beitrag bei der Vorstellungsrunde oder durch eine sichtbare Aufgabe an der Veranstaltung. Ob als Moderator, Referenten oder Veranstalter - in jeder dieser Rollen ziehst Du Gespräche förmlich an. Und das Rollen die zu Dir passen, da Du Dich auf sie sehr gut vorbereiten kannst. Die Vorbereitung lohnt sich, weil Du Dich automatisch in den Gesprächen wiederfinden wirst, die Du gerne führst - ohne diese selbst initiieren zu müssen. Das ist sehr komfortabel und spart Energie. Außerdem bleibst Du bei allen Teilnehmern auch nach der Veranstaltung im Gedächtnis und profitierst langfristig. Möchtest Du Dich dennoch im Hintergrund halten, sei Dir der Macht über die Gestaltung Deiner Gespräche immer bewusst und...

5 - Führe die Gespräche, die Du gerne führst

Es fällt schwer zu akzeptieren, dass es bei vielen Gesprächen in erster Linie nicht um die Sachebene geht, sondern darum, gute private und geschäftliche Beziehungen aufzubauen. Du wirst diese Gespräche führen müssen, wenn Du vorankommen möchtest. Du hast es jedoch selbst in der Hand, wie Du diese Gespräche gestaltest.

Reduziere Smalltalk auf ein Minimum: Leite nach einer unverfänglichen Einstiegsfrage wie: „Was hat Ihnen an dem Vortrag besonders gefallen? – und warum?“ zu den Themen über, die Dich wirklich interessieren.

Schaffe 1:1-Situationen, in denen Du mit Deiner Tiefe und Intensität überzeugen kannst. Mit-Warter in der Essensschlange und Sitznachbarn eignen sich, um leicht in ein solches Gespräch zu starten. Oder Du gesellst Dich zu einem Grüppchen und initiierst mit Deinem Nachbarn ein Einzelgespräch.

Beende Gespräche, die Dich nicht weiter bringen und/oder Dir zu viel Energie rauben. Wähle dafür einen möglichst wertschätzenden Abgang, bei dem Du Dich für das Gespräch bedankst und erklärst, wieso Du es beendest. Ein legitimer Exit-Klassiker ist es, sich noch etwas zu essen oder zu trinken holen zu wollen.

6 - Mache Deine Intensität sichtbar

Die Nachbereitung einer Networking-Veranstaltung ist ein großer Trumpf für Introvertierte. Jedoch wird er zu häufig gar nicht ausgespielt. Dabei fällt Dir genau dieser Schritt besonders leicht. Du wirst Deine Gespräche und Begegnungen nach der der Veranstaltung ohnehin noch einmal reflektieren. Während Du die Veranstaltung noch einmal Revue passieren lässt, fallen Dir vielleicht Dinge ein, die Du noch hättest sagen können oder wollen, aber die Dir in der Situation nicht eingefallen sind. Oder Du hast gemeinsame Ideen zwischenzeitlich weiter gesponnen und Du bist so zu interessanten Ansätzen gekommen. Oder Du bist, einmal für das Thema sensibilisiert, auf etwas gestoßen, das fantastisch zu Eurem Gespräch passt und an das Thema anknüpft. So geht es mir häufig und für mich war das lange Zeit selbstverständlich. So selbstverständlich, dass ich diese Gedanken für mich behalten habe.

Dabei sind gerade diese Gedanken eine wunderbare Möglichkeit, um Intensität sichtbar zu machen. Sie sind der scheinbar beiläufige Beweis dafür, dass Du wirklich zugehört hast und Dich für Dein Gegenüber - und die Themen die ihn beschäftigen - interessierst. Das darfst, kannst und sollst Du sichtbar machen. Schreibe zum Beispiel eine E-Mail, mit der Du genau hier ansetzt.
Wie Du siehst können Introvertierte hervorragende Networker sein. Nutze auch Du Deine introvertierten Stärken, denn gerade sie sind in einer extrovertierten Welt besonders wertvoll. Ich wünsche Dir viel Spaß beim introvertierten Networking!

Viele Grüße und bis bald im Business-Blog für Introvertierte

Simone


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Simone Rechel - IntroCoach

4 Comments

  1. Gabriele sagt:

    Danke, Simone!
    Du machst Mut, dass ich einfach so sein darf, wie ich bin!

  2. Hallo Simone,
    ich bin auf Deinen wirklich toll erarbeiteten und inspirierenden Artikel gestoßen. Ich selbst würde mich als einen introvertierten Entrepreneur bezeichnen. Da finde ich es toll, dass mit der Erkenntnis, wie man sich das Leben und Performen erleichtern kann, doch viele Probleme gelöst werden. Vielen Dank dafür.
    Aus der Erfahrung vieler Projekte in den letzten Jahren habe ich meine Leidenschaft für „Traction“ entdeckt, also das Ergebnis erfolgreicher Vermarktung. Beides kombiniert, also das eher leise Auftreten und Traction, hat mich nach und nach zu meiner Mission gebracht: Ich unterstütze diejenigen Gründer, Unternehmer und Marketer bei ihrer Vermarktung, die nicht laut auftreten und kommunizieren können oder wollen.
    Beste Grüße
    André

    • Simone sagt:

      Vielen Dank für Dein Feedback André. Super, dass Du Unternehmer unterstützt, die „nicht laut auftreten und kommunizieren können oder wollen.“. Aus meiner Sicht gibt es viele wirkungsvolle Alternativen zum klassischen Vertrieb. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass sie in „klassischen“ Verkaufstrainings noch (zu) wenig Beachtung finden. Ich mache gerne Mut, neue Wege zu gehen und freue mich über andere Mutmacher und Umdenker.

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